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Warum ist Gehörbildung im Musikunterricht so wichtig?

Über die Bedeutung der musikalischen Grundausbildung

für junge MusikerInnen

Der Unterricht in Gehörbildung und Musiktheorie im ersten Jahr der Musikschule gilt oft als ein eher unterschätztes Fach – beinahe als „Stiefkind“ des staatlichen Musikbildungs­systems in Österreich. Schnell stellt sich die Frage: Wozu braucht man das überhaupt? Reicht der Instrumentalunterricht nicht aus, um Notenlesen zu lernen und sich auf die zwei jährlichen Schulkonzerte vorzubereiten?

Um diese Frage zu beantworten, lohnt sich ein genauerer Blick auf den Lernprozess des musikalischen Musizierens.


Wie beginnt die Arbeit an einem neuen Musikstück?

Das Erarbeiten eines neuen Werkes beginnt lange vor dem ersten gespielten Ton. Zunächst lesen wir Titel und Komponistenname, erinnern uns – je nach Erfahrung – an bereits bekannte Musik dieses Komponisten und entwickeln erste Klangvorstellungen.

Bei jüngeren Kindern beginnt die Begegnung mit einer neuen Komposition häufig mit einem sprachlich gestalteten Bild, das von der Lehrperson entwickelt wird. Dieses weckt nicht nur emotionale Resonanz, sondern auch Neugier und viele Fragen – sowie den Wunsch, Antworten im Notentext selbst zu entdecken:

  • Welchen Charakter hat diese Musik?

  • Wodurch entsteht er?

  • Welche Rolle spielen Tempo, Dynamik und Artikulation?

  • Warum wird in einem besonders tiefen oder hohen Register gespielt?


Form, Struktur und musikalisches „Geschehen“ verstehen

Schon früh lernen Kinder, auch einfache Stücke bewusst wahrzunehmen:

  • die Form eines Werkes im Überblick zu erfassen,

  • Wiederholungen und Kontraste zu erkennen,

  • Eröffnungsphrasen zu sehen,

  • das Zusammenspiel von Melodie und Begleitung in homophoner Musik zu verstehen,

  • wichtige Momente des musikalischen „Geschehens“ wahrzunehmen.

Zahlreiche musikanalytische Begriffe werden im fortgeschrittenen Studium vertieft. Die Logik einfacher musikalischer Formen hingegen wird bereits früh besprochen – in einer Sprache, die für Kinder verständlich ist.


Gehörbildung als Training des musikalischen Denkens

Um Details wahrzunehmen, musikalische Texte in größeren Zusammenhängen zu erfassen, Musik innerlich zu hören oder Gehörtes zu notieren, braucht es gezieltes Training.

Im Unterricht für Gehörbildung lernen Kinder unter anderem:

  • Elemente unterschiedlicher musikalischer Systeme miteinander zu verknüpfen,

  • Gedächtnis und Rhythmusgefühl zu entwickeln,

  • Klanglinien und Klangkomplexe zu unterscheiden,

  • Theoretische musikalische Regeln praktisch umzusetzen.

Auch die scheinbar angewandte Fähigkeiten wie das Begleiten, das Improvisieren oder das Transponieren in eine für Ensemblepartner günstigere Tonart haben hier ihre fundierte Grundlage.


Inneres Hören und saubere Intonation entwickeln

Das innere Hören wird durch inneres Intonieren geschult. Dabei lernen die Kinder zuerst mit schönem Klang zu singen und den Atem entsprechend der musikalischen Logik einzuteilen.

Der Weg zu einer sauberen Intonation führt über:

  • das Erkennen von Tonarten,

  • die Entwicklung der Wahrnehmung der funktionalen Harmonik,

  • kontinuierliche, sorgfältige Arbeit mit dem musikalischen Material.


Gehörbildung an der Academia Arte

Um eine musikalische „Aufgabe“ wirklich erledigen zu können, muss man sie nicht nur lesen und verstehen, sondern auch selbst zu lösen versuchen.

Genau dafür – und für vieles mehr – nehmen wir uns Zeit im Unterricht für Gehörbildung und Musiktheorie an der Academia Arte. Die dort erworbenen Fähigkeiten werden im Instrumentalunterricht weiter vertieft – jeweils mit unterschiedlichen pädagogischen Schwerpunkten, aber einem gemeinsamen Ziel: musikalische Mündigkeit.



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